Die Grabräuber

Verfluchte Narren! Sie es haben mir gestohlen, einfach gestohlen, obwohl diese Taugenichtse wußten um was es sich handelt. Sie wußten was es ist und dennoch hatten sie es mitgenommen, das Seelen-Symbol des Leichen-fressenden-Kultes im unerreichbaren Leng. Sie hatten dieses Wissen aus dem verbotenen Necronomicon und haben einfach alle Warnungen und Hinweise in den Wind geschlagen. Sie hätten wissen müßen was sie erwartet.

Ich werde sie finden und es mir wiederholen, vollkommen gleichgültig wer oder was sich mir in den Weg stellt - wer sich mit den Seelen der Toten anlegt hat kein anderes Schicksal verdient, als diese seelenraubende Verdammnis die auf diese beiden wartet und sie haben es sich selbst zuzuschreiben.

In einer bleichen Herbst-Nacht kamen die Räuber, raubten es aus reiner Langeweile und Gier, die ich ihren Augen sah, als sie es an sich rissen. Es wird nicht lange in ihren schmutzigen, diebischen Händen bleiben, ich habe ihre Witterung aufgenommen und werde ihnen ihre Seelen entreißen, so wie sie mir das grüne Jade-Amulett entrissen hatten.

Sie waren schnell auf ihrer Flucht, auf der Angst und Habgier sie trieb, aber ich war schneller.

Ich ließ sie spüren und hören, daß ich hinter ihnen war, zu jeder Zeit, an jedem Ort. Selbst zur See, denn sie wußten nicht was hinter ihnen auf dem Nachtwind ritt.

In England angekommen, versteckten sie sich in einem uralten Herrenhaus, in dem sie ihr ganzes Diebesgut in einem, wie sie es nannten, Museum lagerten. Welch Blasphemie! Der grausige Raum, der sich allen Beschreibungen wiedersetzt, allen lebenden oder toten Gottheiten spottet wurde von ihnen wie ein Tempel verehrt und gehütet. Von zweien die nichts weiter als Grabräuber und Leichenschänder waren.

Sollte ich ihnen meinen Besitz einfach entreißen? Nein - sie werden im Dieseits noch leiden, wie die Seelen all derer die, wegen den unsäglichen Handlungen der beiden, im Jenseits nicht zur Ruhe kommen.

Langsam begann ich das Haus, mit Scharen meiner geflügelten Freunde zu umlagern. Ich spürte wie die Anwesenheit der Fledermäuse sie beunruhigte, sie Nachts nicht schlafen ließ, sie tagsüber verwirrt nach Spuren um das Haus herum suchten. Eines Abends fanden sie im Necronomicon sogar heraus, in welcher Beziehung das Amulett zu den Seelen der Geister stand - dafür was es nun zu spät.

In der Nacht des 24. Septembers begann ich selbst in ihr Haus einzudringen, wohlwissend das ich ihnen mit meinem Gescharre und holländischen Geplappere vollendst der Verstand rauben würde, natürlich hatte ich jede Menge Hilfe all derer dabei, deren Gräber und Leichen sie geschändet hatten. Manifestationen nannte sie sie.

Fast einen Monat ließen wir sie leiden, bis zum Abend des 18. Novembers als einer der beiden auf dem Heimweg von der tristen Bahnstation war. Ich überraschte ihn vollkommen - zeriss diesen schreienden um Gande flehenden Leichenschänder in Fetzen und schwang mich triumphierend davon. Ich konnte noch beobachten wie der andere hinzueilte und sich zu ihm niederkniete, aber ihn sollte sein Schicksal ein anderes Mal ereilen.

Um Mitternacht konnte ich beobachten wie er seinen Freund in einem ihrer verwahrlosten Gärten beerdigte und dabei irgendein geistloses Ritual dahinbrabbelte. Eine Schande - nicht einmal in so einem Augenblick konnten sie sich normal benehmen. Keine Würde, weder im Leben noch im Tod. Als er mich entdeckte, warf er sicher aus lauter Angst, mit dem Gesicht nach vorn, auf die Erde - zumindest zeigt er noch vor etwas Respekt.

Aus Angst oder Verwirrtheit, begann er darauf hin ihre pietätlose Sammlung zu zerstören und zu verbrennen, nur mein Hab und Gut, das nahm er an sich und reiste damit nach London.

Welch sinnloses Unterfangen, glaubte er wirklich er könne seinem Schicksal entgehen, das in geradewegs in die Verdammnis führte? Auch in London ließ ich ihn keine Minute aus den Augen und hätte ihn beinahe eines Abends, an den Ufern Themse, seinem Schicksal zugeführt, aber er sollte noch etwas länger leiden, dafür, daß er immer noch das Amulett, wohlwissend um dessen Bedeutung, bei sich trug.

Am nächsten Tag machte er etwas Überraschendes, er segelte mit einem Schiff nach Holland. Was hatte er vor? Egal, auch ich überraschte ihn, als ich ihm, in Rotterdam das Amulett stahl. Es war faszinierend mitanzusehen wie er, als er den Diebstahl bemerkte, innerlich vollkommen verzweifelte. Um ihm sein weiteres Schicksal vor Augen zu führen, labte ich mich an einigen der niederen Geschöpfe in den verkommenen Viertel der Stadt, woraufhin der Pöbel am nächsten Tag in vollkommener Panik war.

Was machte der Dieb? Allem Anschein nach völlig unbeeindruckt, fuhr er an den Ort zurück, an dem er mir das Amulett entwendet hatte. Sehr beeindruckend, einfach mit leeren Händen zurückzukommen. Als dieser wiederliche Grabräuber, endlich auf dem alten Kirchof, der vom Winter-Mond beschienen unheimliche Schatten warf, ankam, begann er mit der Freilegung meiner sterblichen Überreste.

Diese unbeschreiblichen Schreie die in ein hysterisches Gelächter übergingen, als er meine Überreste entdeckte, diese Flucht - dabei hatte ich ihn nur etwas angegrinst und geknurrt, oder lag es vielleicht an den fleischlichen Überresten meiner letzten Opfer, die noch an mir zu sehen waren, oder gar an dem grünen Jade-Amulet, das ich fest umschlossen hielt?

Was hatten diese beiden Diebe erwartet als sie einen Ghoul ausgruben um ihm das heiligste Symbol aller Leichenfresser zu stehlen? Das ich es einfach so hinnehmen würde, diesen rücksichtlosen Diebstahl, diese abscheuliche Entweihung?

Leider konnte ich den zweiten Grabräuber nicht mehr seinem vorgesehenen und verdienten Schicksal zuführen, ich mußte mit großem Bedauern feststellen, daß er selbst das Vergessen gesucht hatte.

 

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2009-06-24T21:38:24+02:00

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